Dienstag, 2. Juni 2015

#3 Buchstabensalat

(2. Teil)

Estelle rannte ein kurzes Stück die Hauptstraße entlang, bevor sie in eine Nebenstraße abbog. Das Licht der Laternen von der Hauptstraße schwand langsam und nur das flackernde Kerzenlicht, das durch einige Fenster hinaus auf die Straße drang, beleuchtete den Weg vor ihr. Estelle tanzte die Häuserreihe entlang und auf eine Gasse zu. Im Schein des vollen Mondes warfen die Häuser finstere und drohende Schatten auf die Straße. Am Ende der Gasse konnte Estelle schon das Haus sehen, in dem sie mit ihrer Mutter lebte.

Eine dunkle Gestalt huschte an ihr vorbei. Erschrocken blieb sie stehen und lauschte, doch sie hörte nichts. Plötzlich spürte sie einen kalten Hauch in ihrem Nacken.
Sie drehte sich um, doch dort stand niemand. Auf einmal hörte sie ein Rascheln, sie drehte sich in die Richtung und schrie entsetzt auf. - Vor ihr stand ein Mann. Er war in einen schwarzen Umhang gehüllt. Er nahm die Kapuze ab und Estelle konnte sein Gesicht erkennen. Schwarze, schulterlange Locken und goldene Augen, die sie musterten. Er lächelte und Estelle konnte spitze, scharfe Eckzähne erkennen. Sie wich vor ihm zurück, sie hatte Angst, sie wollte zu ihrer Mutter nach Hause. Doch der Mann stand zwischen ihr und dem sicheren Heim. - Er trat auf sie zu und sie wich vor ihm zurück. Plötzlich machte er einen Satz nach vorne und packte sie an den Schultern. Verängstigt sah Estelle zu ihm auf.

Er konnte Entsetzen in ihren Augen sehen und ihre Angst riechen.

Estelle erinnerte sich an die Geschichten ihrer Mutter. Man raunte, wer an Samhain in der Nacht außer Haus ist, wird auf Geister treffen, die die Unterwelt verlassen durften und sterben. Dieser hier war bestimmt einer von ihnen. Auch sagte man, sei eine Sternschnuppe Vorzeichen für den Tod.
 Estelle blickte ein letztes Mal zum Himmel hinauf und dann sah sie die Sternschnuppe, ein kurzes, strahlendes Aufleuchten, ehe sie wieder am Firmament verschwand.
Der Mann beugte sich über ihren Hals, Estelle konnte seinen eisigen Atem spüren, doch sie konnte sich vor Angst nicht bewegen. Ein jäher Schmerz breitete sich in ihrem Hals aus. Sie spürte seine Zähne in ihrem Fleisch und wie er alles Leben aus ihr saugte.
Ihr letzter Blick galt ihrem Haus in dem ihre Mutter auf sie wartete, ehe alles um sie herum schwarz wurde und sie zusammen sackte.

© by Isana Nadeya

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Jupp, der zweite Teil und nicht der Letzte! Ihr dürft also gespannt sein... :-)

Liebe Grüße,
Isana

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