Sonntag, 31. Januar 2016

Der Name des Windes

Der Name des Windes
Patrick Rothfuss


»Vielleicht habt ihr von mir gehört« ... von Kvothe, dem für die Magie begabten Sohn fahrender Spielleute. Das Lager seiner Truppe findet er verwüstet, die Mutter und den Vater tot - »sie haben einfach die falschen Lieder gesungen«. Wer aber sind diese Chandrian, die weißglänzenden, schleichenden Mörder seiner Familie? Um ihnen auf die Spur zu kommen, riskiert Kvothe alles. Er lebt als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean, bis er auf das Arkanum, die Universität für hohe Magie aufgenommen wird. Vom Namenszauber, der ihn als Kind fast das Leben gekostet hätte, erhofft sich Kvothe die Macht, das Geheimnis der sagenumwobenen Dämonen aufzudecken.

Keine Frage, das Buch ist großartig und dennoch bin ich etwas zwiegespalten... Neben all den anderen Punkten die in so vielen Rezensionen angesprochen werden, sticht der Schreibstil am häufigsten hervor und wie fantastisch Patrick Rothfuss erzählen kann. Ja, der Schreibstil ist wirklich gut, hin und wieder gibt es Abschnitte die wirklich poetisch und fantastisch geschrieben sind, aber die meiste Zeit über las sich das Buch, meiner Meinung nach, wie die meisten wirklich guten High-Fantasy-Bücher. Und da liegt für mich auch der Hase im Pfeffer. Das Buch ist großartig, fantastisch, interessant..., aber keineswegs perfekt, auch nicht Tolkiens Werken ähnlich. Wenn ich Bücher lese, achte ich darauf welche Gefühle ich beim Lesen habe, klingt erstmal komisch, aber es ist wirklich so. Manche Bücher strahlen so ein Gefühl aus, manche stärker und manche schwächer und danach bewerte ich auch ein Wenig die Bücher. Es ist kompliziert zu erklären, aber ich werde es versuchen, damit ihr es ansatzweise hoffentlich versteht. Und da einige 'Der Herr der Ringe'  und Tolkien als Beispiel nennen, tue ich das ebenfalls.
Kurz um: 'Der Herr der Ringe' ist für mich eine Geschichte die man an einem knisternden Feuer, mit einer Tasse heißem Kakao, von einem guten Geschichtenerzähler erwartet. Die nicht nur Träume und Fantasie in sich vereint, sondern Wahrheit, Erfahrung und Erinnerung in sich trägt. Ja, das findet man auch in 'Der Name des Windes', aber wer sich mal ernsthaft mit Tolkien und seinen Werken auseinandergesetzt hat, weiß was ich meine. - Jedenfalls liegt das Problem schlichtweg einfach an dem Jahrhundert in dem es geschrieben wurde, zumindest sehe ich das so. Im 20. Jahrhundert gab es zwei Weltkriege und im ersten hat J. R. R. Tolkien mitgekämpft, hat Freunde verloren und echtes Leid erfahren. Die Fantasy-Autoren von heute nicht, ihre Erzählungen von Krieg beruhen auf Erzähltem und der eigenen Vorstellung, aber nicht auf eigener Erfahrung (das nur als Beispiel). Aber heute haben alle High-Fantasy-Romane etwas gemeinsam, die Art wie sie erzählt werden und ihre Geschichte sich abspielen. Plump ausgedrückt sind sie für mich modern; frei nach dem Motto: Sex, Drugs und Rock'n'Roll müssen drin sein. Das mit dem Sex ist meistens wirklich so...
'Der Herr der Ringe' bleibt, wie soll ich sagen(?), nüchtern, klassisch; diese Geschichte ist von anderen Gegebenheiten geprägt. Die (High-)Fantasy-Romane heutzutage eifern nach, versuchen etwas zu sein was sie nicht sein können, weil es einfach nicht möglich ist. Jedes Buch ist individuell, weil jeder Autor unterschiedlich und einzigartig ist. Tolkien wird als der Vater der Fantasy bezeichnet, die folgenden Autoren könnten die Söhne sein (Beispiel); Vater und Sohn können sich sehr ähnlich sein, aber niemals ein und dieselbe Person. Versteht ihr was ich meine? Tolkiens 'der Herr der Ringe' vermittelt mir ein ganz besonderes Gefühl und 'der Name des Windes' birgt in sich auch ein Wenig von diesem Gefühl, aber eben nicht wie 'der Herr der Ringe', eher wie all die anderen Bücher dieses Genre. Das ist nicht böse gemeint, das Buch ist deswegen nicht schlecht, aber ich finde, dass es noch lange nicht den Tolkien-Status erreicht hat. - So viel dazu. Es ist halt kompliziert zu erklären, aber ich habe es wenigstens versuch. Falls ihr deswegen noch Fragen habt, her damit :-)

So kommen wir bzw. ich zurück zum Eigentlichen: 'Der Name des Windes' Am Anfang war ich schon ziemlich skeptisch, ob ich dieses Buch wirklich lesen möchte. Dieses Buch ist eine Biographie, denn sie erzählt von Kvothe, dem Protagonisten, der als Kind seine Eltern verlor und im Laufe seines Lebens zu einer Art "Legende" wird. Dem Königsmörder, Kvothe der Blutlose und Kote, der Wirt. Ich war deswegen so skeptisch, weil `das Lied des Blutes' auch eine Biographie über einen wirklich sehr faszinierenden Mann ist, der aber als Kind/Junge total uninteressant ist, während Kvothe aufgeweckt und wirklich interessant ist. Über ihn zu lesen macht Spaß, man verliert nicht die Interessen, man bleibt am Ball und ist neugierig wie es weiter geht. Ich habe in dem Buch so ziemlich alle lieb gewonnen, außer Ambrose und Denna. Gut, Ambrose versteht sich von selbst, aber Denna war mir einfach unsympathisch. Sie war teilweise so ignorant gegenüber Kvothe, wahrscheinlich nicht absichtlich, aber das macht es nicht gerade besser. Ich kann sie einfach nicht leiden. Die arme, kleine Denna in die sich jeder Mann verknallt und dann hat sie scheinbar plötzlich ihren Traummann gefunden und benimmt sich trotzdem  genauso wie vorher. Nee, mache ich nicht mit. - Auch die Zwischenspiel-Kapitel haben mir wirklich gut gefallen. Diese sorgen auch bei mir für einige Fragen.

Fazit:
Fünf von fünf Sternen. Das Buch ist großartig, vielschichtig, faszinierend und authentisch! Es hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen, auch wenn man das der Rezension bis jetzt vielleicht nicht so deutlich entnommen hat. Ich wollte nur meinen Standpunkt hinsichtlich auf Tolkien klar machen, der einen Extra-Post für sich verdient, weil das Thema doch sehr komplex ist und ich es hier nur mal kurz anreißen wollte...
Aber ich möchte wirklich unbedingt die nächsten Bände bald schon lesen! Das Buch ist einfach klasse! High-Fantasy vom Feinsten!

Der Name des Windes

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