Dienstag, 23. Februar 2016

Zorn und Morgenröte

Zorn und Morgenröte
Renée Ahdieh


Jeden Tag erwählt Chalid, der grausame Herrscher von Chorasan, ein Mädchen. Jeden Abend nimmt er sie zur Frau. Jeden Morgen lässt er sie hinrichten. Bis Shahrzad auftaucht, die eine, die um jeden Preis überleben will. Sie stehen auf verschiedenen Seiten und könnten unterschiedlicher nicht sein ... Und doch werden sie magisch voneinander angezogen ...

Ein sehr schönes und toll erzähltes Buch! Auch wenn meine (negativen) Erwartungen erfüllt wurden, hat es mich durchaus auch überrascht und gut gefallen! Die Autorin hat einen wunderbar angenehmen Schreibstil und vermittelt super die sonnige und nach Kaffee und Gewürzen duftende Atmosphäre des Morgenlandes. Vor allem zu einer noch etwas kalten Jahreszeit ein starker Kontrast, der mir echt gefallen hat. - Die Protagonistin ist überraschend stark, nicht wie die meisten dahergelaufenen "Heldinnen" die bei ihrem Traumprinzen weiche Knie kriegen und in Selbstzweifeln ertrinken... Shahrzad ist wortgewandt, selbstsicher, eine sehr gute Bogenschützin, eine fesselnde Geschichtenerzählerin, einfach eine erfrischende, witzige und starke Protagonistin! - Tarik hingegen, der wie Chalid, mir zu Beginn gefiel, sank mit seinem Ansehen bei mit immer tiefer, ebenso wie Chalid. Tarik wirkte am Anfang stark und wurde gegen Ende für mich zu sehr der verliebte Ritter. Chalid wirkte verschlossen und distanziert, der ein, letztendlich nicht ganz so spektakuläres, Geheimnis hütete und wirkte am Ende mehr gebrochen als stark. Da haben beide leider meine Erwartungen erfüllt... Auch hatte ich mehr Spannung hinsichtlich der drohenden Hinrichtung erwartet. Ich habe mir mehr Geschichten gewünscht, mehr Spannung und Furcht vor dem was kommt, wenn die aufgehende Sonne den Himmel blutrot färbt, als Zeichen für den kommenden Tod...

Trotzdem eine sehr schöne "Neuauflage" eines alten Märchens. - Ich habe in den Märchenbüchern bei mir im Regal gestöbert. Dort wurde die erste Frau des Königs getötet, weil sie ihrer Neugier erlag und ein Zimmer betrat, was ihr zu betreten verboten war. Ebenso erging es den Frauen in dem Märchen "(Ritter) Blaubart". Dort sterben auch Frauen auf Grund ihrer Neugierde, bis auf die Letzte... Erste Frage die sich mir stellte: Warum nimmt der Mann den Schlüssel zu den Zimmern nicht mit? Und die Liebe muss auch nicht besonders tief und groß gewesen sein... Zweite Frage: Was hat wohl die erste Frau in "(Ritter) Blaubart verbrochen? - Aber na ja, das ist eine andere Geschichte...

Ich bin wirklich froh, dass das Buch jetzt auch endlich in Deutsch erschienen ist, da ich kurz davor war mir es in Englisch zu kaufen, weil ich schon sehr viel Gutes über dieses Buch von amerikanischen Booktubern gehört habe. - Allerdings sollte man nicht zu große Erwartungen an das Buch haben, da es, meiner Meinung nach, nicht besonders herausragend ist. Eine fantastisches Jugendbuch, dass schon sehr gut ist, aber auch nicht mehr. Ich konnte mich leicht in die Geschichte fallen lassen und mich von dem orientalischen Flair verzaubern lassen, aber dennoch hat mich die Handlung nicht wirklich mitgerissen. Zwischendurch gab es zwar wirklich Stellen die grandios waren, aber die meiste Zeit über bleibt die Handlung relativ gut und eben nicht herausragend.

Lieblingsstelle: S.256
Shahrzad neigte den Kopf zur Seite und unterdrückte ein Aufflackern der Sorge. "In der Tat habe ich eine Schwester, Herr."
Salim stützte die Ellenbogen auf den Tisch und musterte Shahrzad mit dem Blick eines amüsierten Raubtiers.
"Aber sie passt nicht zu dir, oh Herr."
Chalids ganze Aufmerksamkeit galt nun dem Sultan von Parthien. Er schob eine Hand zu Shahrzad, in seinem Unterarm zuckte verkrampft ein Muskel. Die Gespräche rings um sie waren so gut wie verstummt, während die Spannung in der Luft wuchs.
"Bin ich nicht gefährlich genug, Shahrzad?", fragte Salim in einem frostig nachdenklichen Ton. "War ich den Frauen meiner Vergangenheit gegenüber etwa zu nachsichtig? Zu gern bereit, sie am Leben zu lassen?"
Ringsum schnappten mehrere Gäste hörbar nach Luft, und der Laut pflanzte sich durch den Saal fort wie ein Gerücht, das auf einem Platz die Runde machte. Jalal stieß seinen angehaltenen Atem aus, auf den ein leiser Fluch folgte, welcher ihm einen warnenden Blick von seinem Vater eintrug.
Shahrzad schluckte ihre Wut hinunter und lächelte strahlend wie die Sonne.
"Nein, Onkel Salim. Du bist einfach zu alt."

Fazit:
Vier von fünf Sternen, golden leuchtend in blutrotes Morgenlicht getaucht. Auf das der zweite Band sich seine fünf Sterne verdient! - Zwar hat dieses Buch auch seine Fehler, ist aber dennoch wunderbar erzählt!

Zorn und Morgenröte

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Gib deinen Senf dazu!