Dienstag, 12. April 2016

Autoreninterview: Akram El-Bahay


Akram El-Bahay war so freundlich und hat mir vier Fragen beantwortet. Und hier seht ihr das Ergebnis:


1) Dein Lieblingswort? (Meines ist ‚gleich‘)
Vielleicht ist es das Wort So. Gibt es etwas Vergleichbares in einer anderen Sprache? Es impliziert Erfolg (So, das Manuskript ist fertig.) oder Tatendrang (So, jetzt fange ich an zu schreiben.). Es wirkt sogar, wenn man gar nicht so aktiv wird, wie man mit dem kleinen Wort So vorgibt oder etwas einfach in die Zukunft schiebt (So, das mache ich dann morgen. Oder übermorgen.). So, und jetzt zur nächsten Frage.

2) Hast du einen Tick? Wenn ja welchen?
Höchstens eine liebevolle Angewohnheit: Nie ohne Kaffee schreiben. Ich habe das Gefühl, dass die Sätze schöner werden, wenn ich Kaffee beim Schreiben trinke. Außerdem passt das Getränk ganz hervorragend zu orientalischen Märchen: Der Name leitet sich vom arabischen Wort qahwa (anregendes Getränk) ab. Und das wiederum bezieht sich auf die Ursprungsregion der Kaffeepflanze, das Königreich Kaffa im heutigen Äthiopien. Eigentlich ein schöner Name für einen Schauplatz in einer orientalischen Fantasy-Geschichte.

3) Schreibe einen kleinen Text über dich und zwar aus der Sicht eines (persönlichen) Gegenstandes.
Aha, nun also bin ich endlich ausgedruckt. Ein vollständiges Manuskript. Von der ersten bis zur letzten Seite. Er hat mich dicker werden lassen, als geplant. Typisch. Wenigstens gibt er mich nicht zu spät ab. Aber hübscher muss er mich machen. Ich stecke noch voller Fehler. Tippfehler, Logikfehler und was weiß ich noch. Und worauf schaut er? Verschnörkeltere Sätze und schönere Einfälle. Er sollte mehr auf die Fehler achten. Einmal, bei einem anderen Manuskript, hat er erst beim zweiten Lesen gemerkt, dass die Frau, die fünf Seiten zuvor gestorben war, später noch etwas sagt. Oder dass der Erzähler bereits beide Hände voll hatte, als er etwas aufgehoben hat. Also wirklich. Und jetzt schmiert er in mir herum. Dabei kann er seine eigene Schrift hinterher kaum lesen. Und verflucht sich, dass er so viele Anmerkungen hat, die er dann mühsam entziffern muss. So, jetzt hat er den Logikfehler in diesem Kapitel endlich gefunden. Hat ja auch lang genug gedauert. Und mal sehen, vielleicht findet er auch den Anschlussfehler im übernächsten Kapitel…

4) Zu welchem Volk würdest du in ‚Flammenwüste‘ gehören und wärest du dort auch ein Geschichtenerzähler?
Wenn ich den Keller ansehe: ein Sammler. Nori, also Drachenwächter, scheidet wegen meiner Höhenangst aus. Und mein grüner Daumen lässt arg zu wünschen übrig. Ich könnte daher kein Sa'alin, also kein Wüstengärtner werden. Am liebsten aber wäre ich wirklich ein Geschichtenerzähler. Nur bitte ohne Wüstenreisen. Stattdessen würde ich lieber in einem Kaffeehaus in Nabija sitzen und erzählen. Und mir einen Mokka bringen lassen.
 
Vielen Dank nochmal, Akram, für das Interview :-)
Und ich hoffe, es hat euch gefallen, mir jedenfalls hat es sehr viel Spaß gemacht!

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