Freitag, 29. Juli 2016

Das Märchen von der bösen Königin (2. Teil)

Er war ein Hexer. Mit ihm war meine Mutter einen Packt eingegangen, ihr Leben für das meine. Nach meiner Geburt hatte er 21 Monde gewartet, um mich dann zu sich zu holen, doch ich hatte meinen Vater getötet und war geflohen. Er hatte mich aus den Augen verloren und nun wieder gefunden. Zu Beginn weigerte ich mich mit ihm mitzukommen. Ich wusste nicht was mich erwarten würde und wollte meine Freiheit nicht aufgeben. Doch er war stärker als ich und versetzte mich in einen tiefen Schlaf. Er entführte mich auf sein Schloss, das im Westgebirge, verborgen vor den Augen derer die es nicht sehen sollten, gebaut worden war. Er machte mich zu seiner Königin und schenkte mir einen Turm, in dem ich die Sterne beobachten konnte. Er lehrte mich das magische Feuer in meinem Innern zu kontrollieren und zu lenken. Er lehrte mich mächtig und stark zu sein. Doch obwohl ich wusste, dass seine Anweisungen lehrreich waren und ich einen großen Nutzen aus ihnen ziehen konnte, ließ ich einen Teil meiner Magie wild wuchern wie eine Dornenhecke. Mein Schutzwall, besser als jeder Reflex und Instinkt. Dieser wilde Teil meiner Magie reagiert meinen Emotionen entsprechend. Er ist unberechenbar und gefährlich, deswegen musste ich dieses Geheimnis hüten und darauf achten immer ruhig und kühl zu bleiben. Ich lernte schnell und der Hexer zeigte mir was wahre Macht bedeutete. Zusammen waren wir schlimmer als der Tod, wir brachten Zerstörung und Verderben über diejenigen die uns einst verraten und verachtet hatten. Er war das Flammeninferno das alles niederbrannte, die sengende Hitze die Haut von den Knochen schmolz. Ich war der Sturm, der Tornado, die Flut, das Gewitter. Ich schwemmte Häuser hinfort, setzte ganze Städte unter Wasser. Ich machte mir Kälte und Nässe zu Eigen. Er Hitze und Feuer. Wir waren unbesiegbar und trunken von der Macht die wir besaßen. Jeder fürchtete uns. Und dann verliebte ich mich. – Dieses Gefühl, die Liebe, sie kann ebenso berauschend sein wie Macht, doch auf eine ganz andere Weise. Macht ist stark und zerstörerisch. Liebe ist zerbrechlich, sie macht schwach. Doch zu diesem Zeitpunkt wusste ich dies nicht. Ich hatte etwas neues, etwas interessanteres gefunden. Liebe. Er war mein ein und alles. Ich konnte Stunden damit verbringen ihn nur anzusehen, oft gingen wir tagelang spazieren und er zeigte mir Dinge, von denen ich noch nie gehört hatte. Durch ihn lernte ich eine ganz neue Welt kennen. Seine Welt. Er war reinen Herzens, er sah immer das Gute in den Menschen und hatte immer Hoffnung für die, die für andere schon längst verloren waren.

Ich wurde von ihm schwanger und beschwor damit ein Unheil herauf, das ich nicht zu bewältigen wusste. Eine lange Zeit hatte ich es geschafft meinen Liebsten vor dem Hexer geheim zu halten und ihn zu schützen, doch mit meiner Schwangerschaft besiegelte ich seinen Tod. Es war nicht das Kind des Hexers das ich unter meinem Herzen trug und das nahm er mir übel. Ich floh mit meinem Liebsten, doch der Hexer folgte uns. Ein Feuer des Zorns brannte in ihm, heiß und wild. Flammen verschlangen alles Leben das ihnen begegnete und hinterließen eine schwarze Aschespur und Rauch der zum Himmel aufstieg. Er fand uns und mein Liebster brannte. Kein Laut des Schmerzes entwich seinen Lippen und sein Blick galt allein mir. Er wurde zu Asche, so wie alles das vom Feuer geküsst wurde. – Nun war ich dem Hexer schutzlos ausgeliefert. Die Güte und Reinheit meines Geliebten hatte ihn nicht retten können und das Kind in mir raubte mir Kraft. Doch es minderte nicht meine Magie, es nährte den wilden und ungezähmten Teil in mir, der mich und das ungeborene Leben schützte. Wie besiegten den Hexer, nicht endgültig, aber dennoch schlugen wir ihn so gewaltig, dass wir fliehen und uns verstecken konnten. Ich wurde wieder zu einer Königin und gebar eine Tochter. Ich zog sie groß und schützte sie vor dem Unheil das von den Menschen ausging. Denn obwohl mich ihr Vater gelehrt hatte, das in jedem Menschen etwas Gutes steckte, wusste ich dass das Böse in ihnen stark war und meinen Liebsten hatte es nicht retten können…

So geschah es eines Tages, dass ich Nachricht erhielt, dass ein Dämon außerhalb meines Königreiches, aber in der Nähe meiner Grenzen, wütete und Finsternis mit sich brachte. Dieser Dämon war der Hexer, der das Leben meiner Tochter forderte und mit jedem Atemzug den ich tat näher kam. Ich sah keinen anderen Weg, als meine Tochter fort zu schicken und sie für eine sehr lange Zeit vor den Augen meines Feindes zu verstecken. Ich verbannte sie in die Welt hinter den Spiegeln, in der Hoffnung, das der Hexer nicht in die Spiegel sah und erkannte was ich getan hatte. – Er kam und meine Tochter war fort.

Hier endet mein Märchen, aber meine Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt. Sie geht weiter, aber zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort.

© Hanna Bartsch

Fortsetzung: Das Märchen von der Prinzessin hinter den Spiegeln

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Über Rückmeldung würde ich mich sehr freuen! :-)

1. Teil

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