Samstag, 24. Juni 2017

(Serienreview) American Gods

Ein Gastbeitrag von Julia von Lizoyfanes

Willkommen in Amerika, einem Land, das erst durch alle anderen Völker und Kulturen zu dem wurde, was es heute ist. Die Handlung von American Gods ist schnell erzählt: Shadow Moon ist nach einem gescheiterten Raubüberfall im Gefängnis und wird plötzlich vorzeitig entlassen ‑ aber auch nur, weil seine Ehefrau Laura bei einem Autounfall umgekommen ist. Da er nichts mehr zu verlieren hat, entscheidet sich Shadow dafür, einen "Job" beim sonderbaren Mr. Wednesday anzunehmen. Das führt zu einer verrückten Roadtrip, bei der Shadow alles überdenken muss, woran er je geglaubt hat ... Ich fand das Buch von Neil Gaiman recht gut (abgesehen, dass es manchmal seeehr zäääh war) und habe mich deswegen sehr auf die Serie gefreut. Gefreut, aber auch große Zweifel gehabt wie bei eigentlich allen Book‑to‑Screen‑Projekten. Entweder passt mir der Cast dann nicht, oder Grundlegendes wurde extrem verändert oder oder oder ... Nicht aber bei American Gods, denn das, Leute, ist wirklich außgerwöhnlich!

Überspringt ihr bei Serien manchmal die Intros? Bei mir ist das meistens der Fall, aber das American Gods‑Intro zu überspringen würde bei mir nie in Frage kommen: dafür ist es viel zu außergewöhnlich mit den neongrellen Farben, mythologischen Kult‑Symbolen und dem mitreißenden Beat. Auf der einen Seite zeigt es klassische, "alte" Gottheiten/ Symbole wie Ganesha, die Menora oder das Totem. Direkt neben Cowboys, Schusspatronen, Maschinen und einem gekreuzigten Astronauten. Besser kann eine Serie nicht anfangen, als wenn ich bereits beim Intro ,,Krass" vor mich hin stammele. K‑R‑A‑S‑S. So muss ein Kampf zwischen alten Göttern und den neuen Göttern von Technologie, Medien & Co. beginnen!


Außerdem liebe ich die Art, wie die Serie gemacht ist, also die Kameraführung, die Effekte un das Zusammenspiel aus aktuellem Geschehen und den "Coming to America"‑Rückblicken des ägyptischen Gottes Thot. Kunstblut‑Gespritze in Zeitlupe, schillernde Münzen, Eiskristalle die sich zu Schneeflocken zusammenfügen, überdimensionale Pusteblumensamen, die von Blitzen erfasst werden ... ich bin ein Fan dieser Effekte, habe ich bereits nach den ersten zwei Folgen festgestellt. Nie wieder werde ich Marshmallows anblicken können, ohne darin den Cadillac des nordischen Allvaters zu erkennen. Stellenweise hat mir Shadow echt leid getan für sein Unwissen ‑ gibt dem armen Mann doch einfach ein Buch über Mythologie, dann hätte er so viel früher alles durchgeblickt ...!

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Wie auch schon im Buch selbst, ist American Gods bezüglich Charaktere & Cast genau wie die USA und ihre Geschichte selbst: vielfältig und divers. Verschiedene Nationalitäten, Kulturen, Religionen, sexuelle Orientierungen und People of Color treffen in Vergangenheit und Gegenwart aufeinander. Das ist es, was American Gods heutzutage wichtig macht: die Diversity, zu zeigen, was alles in der Vergangenheit uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Die prägenden Elemente sind hier jedoch auch Götter, von ihren Gläubigen ins Land gebracht, und andere Mythengestalten wie Dschinns und Leprechauns ‑ besonders Mad Sweeney, dieser irre Kobold ist auf eine bizarre Weise total cool! Ich selbst bin ja Atheist und finde es trotzdem wichtig, wie "Glaube" hier dargestellt wird ‑ kann es noch Glaube an Traditionen geben, oder ist unser Glaube heutzutage nur noch eine tägliche Anbetung von Media, Technical Boy und Mr. World?
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So gut American Gods auch ist, eines stört mich ziemlich arg, ein so unwichtiger Aspekt, der aber unübersehbar ist wie ein Bison mit brennenden Augen. In die bisherigen 8 Episoden wurde vergleichsweise wenig Handlung aus dem Buch übernommen. Ich habe irgendwie gehofft, dass mindestens die Hälfte des Buches in einer Staffel umgesetzt wird, doch so ist es leider nicht geworden. Auf der anderen Seite können wir uns dafür auf 3 bis zu eventuell 5 Staffeln freuen (dies ist größtenteils positiv gemeint ... abgesehen davon dass man natürlich zwischen jeder Staffel wohl 1 Jahr warten muss ... meh.)

Alles in allem ist die 1. Staffel von American Gods Faszination in all ihren Formen, Unterhaltung und Stoff zum Nachdenken in einem, während man sich zugleich über grandiose Effekte und talentierte Schauspieler freuen kann. Wenn ihr die Serie noch nicht kennt, lohnt es sich jedenfall wenigstens der ersten Folge eine Chance zu geben ‑ und schnell wird es auch wie Shadow gehen, in einem Bann aus Faszination und Skepsis, Wundern und Alpträumen ...

Hannas Meinung zu American Gods

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