Donnerstag, 21. September 2017

Angie und ich (Teil 1)

Oder Lost in Frankfurt 2.0

Ihr glaubt gar nicht wie sehr ich mich auf diesen Tag (19.09.2017) gefreut habe! Schon Wochen vorher bin ich alles in meinem Kopf durch gegangen, hatte schon Fragen für Angie im Kopf, unser Gespräch, die Veranstaltungen und was ich in der Zwischenzeit alles machen wollte... Aber bis dahin gab es noch ein paar Dinge zu klären. Zum einen kamen erst meine Mails nicht an, weil mein Laptop keine Lust hatte sie zu verschicken und das hat mich fast in den Wahnsinn getrieben. Und dann sollte ich zuerst Angie alleine im Hotel treffen, dass wurde dann aber verschoben, weil sehr viele nach einem Interview mit ihr gefragt haben und so wurde ich mit ein paar anderen Leuten "zusammen gesteckt". Was aber schon im Voraus für mich kein Problem war, denn ich würde ja Angie Thomas treffen... *-*

Da Frankfurt für mich nicht direkt um die Ecke liegt, musste ich relativ früh (6 Uhr) aufstehen und mit dem Auto, dann dem Zug und später mit der Straßenbahn nach Frankfurt fahren. (Es hört sich länger an als es eigentlich ist.) Und je näher ich meinem Ziel kam umso aufgeregter wurde ich! Das Literatur Haus zu finden gestaltete sich ein klitzekleines bisschen schwierig, aber ich fand es rechtzeitig, nannte der Dame am Eingang meinen Namen und suchte mir einen Platz. - Es waren etwa drei Schulklassen da, eine 9., ein E-Kurs und ein Q-Kurs glaube ich, falls ich das richtig aufgeschnappt habe... Diese schienen auch alle das Buch gelesen zu haben und zeigten sich während der Diskussion sehr interessiert und neugierig, was mich wirklich ungemein gefreut hat!
Angie war super sympathisch, sie hat uns das zweite Kapitel (auf Englisch natürlich) vor gelesen und eine Theaterstudentin (sie hat irgendwas mit Theater studiert und hatte dementsprechend auch eine Ausbildung) las die deutsche Übersetzung vor und beide haben wirklich toll gelesen! Wer das Buch kennt, weiß was im zweiten Kapitel passiert und hui, ich hatte wieder Gänsehaut und Pipi in den Augen!!

Die Diskussion bot uns, dem Publikum, die Möglichkeit der Autorin einige Fragen zu stellen, die nach einigem unsicherem Zögern von den Schülern und den Anderen ausgiebig genutzt wurde. So wurde als aller erstes gefragt, warum Angie Thomas neben Starrs Geschichte, auch Khalils Geschichte erzählen wollte. Angie erklärte uns, dass die Medien Schwarze wie Khalil eigentlich betrügen. Sie lassen es so aussehen, als seien diese Menschen für ihren eigenen Tod verantwortlich und lassen sie zu Hashtags werden. Angie wollte ihnen eine Stimme geben, ihre Geschichte nicht unerzählt lassen. Sie wollte die Menschen zeigen, nicht die Gangster, die wir aus den Medien kennen. Durch das Buch konnte sie den Lesern bestimmte Dinge besser erklären sowie Khalils Handeln und Denken. Sie ist sich sicher, dass sie dadurch Empathie geschaffen hat, sodass wir mit Khalil und den Schwarzen mitfühlen können, sie verstehen. "Feeling empathy instead of pointing with the finger."
Welche Rolle spielt MrsOfrah in dem Buch für Starr? Sie soll darauf aufmerksam machen, dass Khalils Tod und Starrs Trauer nur ein Teil von etwas ganz Großem sind. Die Beerdigung und MrsOfrahs erstes Erscheinen sind der Moment in dem Starr realisiert, dass das alles größer ist als sie dachte. Dass es um Sie, also die Schwarzen, geht. (Im Buch wird es als Us, ein us mit einem großen u formuliert -> It's about Us, the blacks). Starr stand also vor der Frage, was sie tun wollte. Still bleiben oder laut werden?
Angie Thomas schrieb THUG eigentlich für sich selbst. Aber sie hofft, dass es jungen Lesern Hoffnung und eine Stimme gibt. Sie hofft und wünscht sich sehr, dass wenn wir sehen, dass eine Person rassistisch gegenüber einer anderen Person wird, dass wir uns für die betroffene Person, gegen die sich der Rassismus wendet, einstehen und einsetzen, helfen. -
Angie erzählte uns von einer Mail die sie von einer Leserin bekam. In dieser Mail erzählte die Leserin, dass sie Tochter eines KKK-Mitgliedes und auch mit diesen Werten aufgewachsen sei. Irgendwann wurde ihr klar, dass sie sich ändern musste bzw. wollte und jemand empfahl ihr THUG. Sie las das Buch und schrieb Angie, dass es ihr die Augen geöffnet hätte. - Stark oder?
Das Schreiben war sehr emotional für Angie. Allerdings erlaubte sie sich all ihre Gefühle, denn wenn sie weint, dann weint der Leser erst recht. (Ja, ich weiß wo von sie redet *schnief*). Außerdem fühlt sie sich geehrt, dass THUG so viele Leser berührt und bewegt. Sie sagte zu uns, dass wir Jugendliche, sehr viel Macht besitzen. Wir mögen uns vielleicht klein und unbedeutend fühlen und auch als ob uns die Erwachsenen nicht respektieren würden, aber wir sind mächtig! Z.B. stecken Wissenschaftler viel Geld in Forschungen, um in unsere Köpfe sehen zu können. Also um die besten Marketingstrategien zu entwickeln, wie sie uns für bestimmte Produkte begeistern können und genau diese Macht sollen wir (zum Guten natürlich) nutzen.
Ein Professor ermutigte sie dazu, aus der eigentlichen Kurzgeschichte ein Buch zu machen. Was sie ja dann auch tat. Sie erzählte uns auch, dass sie das Buch realistisch schreiben wollte. Deswegen reden die Menschen in Starrs Nachbarschaft auch alle in dem Slang mit dem auch Angie aufgewachsen ist. - Ein Schüler fragte sie nach dem Unterschied zwischen den amerikanischen und den deutschen Lesern. So seien unsere Fragen sehr verschieden. Die Amerikaner stellen eher auf die verschiedenen Charaktere bezogene Fragen (Was passiert mit XYZ nach dem Buch?) und wir eher ernstere, wie ihr zum Teil schon lesen konntet.

Am Ende der Lesung und der Diskussion hatten wir die Gelegenheit unsere Exemplare von THUG signieren zu lassen. Diese Chance konnte ich mir selbstverständlich mit meinen drei Exemplaren nicht entgehen lassen! :-D Ich kann auch nur wiederholen was ich schon geschrieben habe: Angie ist super sympathisch und nett!

Zweiter Teil folgt...

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